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TCF v2.0: Alles, was Sie wissen müssen

Elena Morin, Director of Marketing
Dezember 8, 2021

Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

Das Transparency & Consent Framework (TCF) wurde vom IAB Europe ins Leben gerufen, um die Einhaltung der DSGVO bei digitaler Werbung zu erleichtern. Seit der Einführung des Frameworks im April 2018 hat sich jedoch die Auslegung der Vorschriften weiterentwickelt. In Version 2.0 wurden zusätzliche Leitlinien der regionalen Datenschutzbehörden (DPA) sowie zahlreiche Rückmeldungen von Interessengruppen aufgenommen. Sourcepoint hat sich aktiv an all diesen Diskussionen beteiligt. 

Neben der verbesserten Transparenz und Kontrolle für Publisher und Nutzer beseitigt die neue Version auch Unklarheiten und unterstützt eine bessere Verarbeitung von Daten im berechtigten Interesse. 

Sehen wir uns die Einzelheiten an.                                                                                                                                                                   

Neue Global Vendor List (GVL)-Registrierung

Beim TCF geht es nicht nur um die Beziehung zwischen dem Publisher und dem Nutzer. Es definiert auch eine Möglichkeit für Publisher und Nutzer, miteinander zu interagieren.

Anbieter müssen die Aufnahme in die so genannte Global Vendor List (Globale Anbieterliste, GVL) beantragen. Bei der Registrierung müssen die Anbieter alle Verarbeitungszwecke angeben, für die Verbraucherdaten möglicherweise von ihnen verwendet werden. Der Publisher erstellt in seiner CMP eine eigene Anbieterliste mit den Informationen der GVL.

Die Anbieter geben die Rechtsgrundlage an, auf der sie die Informationen je nach Zweck verwenden. Das bedeutet, dass sie für einen Zweck die Einwilligung, für einen anderen aber ein berechtigtes Interesse angeben können. 

Erklärung der rechtlichen Grundlagen bei der GVL-Registrierung nach TCF v2.0

Die Einwilligung als rechtliche Grundlage bedeutet, dass der Verbraucher diesem Zweck in der CMP zustimmen muss. Berechtigtes Interesse bedeutet, dass der Datenverarbeiter einen Grund hat, die Daten zu verarbeiten, der die Belange der betroffenen Person überwiegt – weswegen nur eine Offenlegung erforderlich ist. 

Es ist die Aufgabe des Publishers, die entsprechende Einwilligung seiner Nutzer einzuholen und diese Informationen dann an seine Datenpartner weiterzugeben (in Form des TC-Strings „Transparency & Consent“).

Neues

Flexible Rechtsgrundlagen

Gemäß TCF v1 hatte jeder Zweck eine von zwei erklärten Rechtsgrundlagen: berechtigtes Interesse oder Einwilligung. Der neue Rechtsrahmen ermöglicht es den Anbietern, zwischen drei Rechtsgrundlagen für die Datenverarbeitung zu wählen: Einwilligung als einzige Rechtsgrundlage, berechtigtes Interesse als einzige Rechtsgrundlage oder Einwilligung bzw. berechtigtes Interesse.  

Bei einer flexiblen Grundlage gibt der Anbieter entweder die Einwilligung oder das berechtigte Interesse als Standard vor. Diese Flexibilität trägt den unterschiedlichen Auslegungen der DSGVO durch die einzelnen Datenschutzbehörden Rechnung und gibt den Publishern mehr Kontrolle darüber, wie sich die Anbieter auf ihren Websites darstellen.

Flexible Rechtsgrundlagen können von den Anbietern für alle Zwecke angegeben werden, mit Ausnahme von Zweck 1. Dieser stellt einen Sonderfall dar, da er sensible Daten betrifft und daher nur nach Einwilligung zulässig ist. 

NEUE Zwecke der Datenverarbeitung

Dies ist eine der wichtigsten Änderungen im TCF v2.0. Es wurden große Anstrengungen unternommen, um die Datenverarbeitungszwecke genauer zu gestalten.

Neues

Zehn Zwecke statt fünf

Neben der Schaffung eines völlig neuen Zwecks, der „Entwicklung und Verbesserung von Produkten“, werden die allgemeineren Zwecke in der neuen Liste in mehrere Zwecke unterteilt.

In Version 1 konnten Publisher Daten beispielsweise für die pauschale Kategorie „Personalisierung“ verwenden. In der Version 2.0 wird jedoch zwischen der Personalisierung zum Zweck der Erstellung eines Anzeigenprofils und der Personalisierung zum Zweck der Erstellung eines personalisierten Inhaltsprofils unterschieden – aus Verbrauchersicht ein großer Unterschied!

Mehr Kontrolle für die Nutzer

All diese zusätzlichen Details bedeuten, dass die Nutzer fundiertere Entscheidungen darüber treffen können, wie ihre Daten verwendet werden sollen.

                                                                                                                                                                                          

Neue Datennutzungskategorien: besondere Zwecke und besondere Merkmale

Version 2.0 definiert zwei neue Kategorien der Datennutzung: besondere Zwecke und besondere Merkmale. Diese werden in mancher Hinsicht anders behandelt als Zwecke.

Besondere Zwecke sind für das Funktionieren der Website unerlässlich und unterliegen daher einem berechtigten Interesse. Sie sind so wichtig, dass das Framework dem Verbraucher nicht erlaubt, sich direkt auf der Website des Publishers abzumelden. Stattdessen kann sich der Verbraucher direkt an den Anbieter wenden, um sich abzumelden. 

Besondere Merkmale stehen für Daten, die besonders sensibel sind. Aus diesem Grund muss der Nutzer separat seine Einwilligung geben.

Noch einmal zur Erinnerung: Bei Merkmalen  die sich gegenüber Version 1 nicht geändert haben – geht es um die Verwendung von Daten, in die der Nutzer bereits für andere Zwecke eingewilligt hat.

Neue UI-Elemente: Stacks

Stacks sind Gruppierungen von Zwecken, die in der Nachricht der ersten Ebene erscheinen sollen. 

Was ist eine Nachricht der ersten Ebene? Die TCF-Richtlinien sprechen vom so genannten „mehrstufigen Ansatz“, bei dem ein digitales Objekt dem Nutzer schrittweise mehr Details über die Verwendung seiner Daten zeigt. Die Nachricht der ersten Ebene ist der Hinweis, den ein Verbraucher sieht, wenn er die Website zum ersten Mal aufruft. 

Die Nachricht der zweiten Ebene, die wir hier bei Sourcepoint als Datenschutzmanager bezeichnen, ist das, was der Nutzer sehen würde, wenn er auf die Verwaltung seiner Optionen klickt. Sie erlaubt ihm, seine Einwilligungspräferenzen noch feiner abzustimmen.

Stacks erscheinen in der Nachricht der ersten Ebene, damit die Nutzer schnell erkennen können, welche Informationen von einem Publisher erfasst werden, ohne durch eine Menge Text scrollen zu müssen. 

Wenn der Nutzer an weiteren Details interessiert ist, kann er einen Stack aufklappen, um eine ausführliche, benutzerfreundliche Beschreibung zu sehen, und sich dann zur zweiten Ebene durchklicken, um weitere Auswahlmöglichkeiten zu treffen.

Beispiel für einen Stack (Stack 8)

Nicht vergessen

Stack-Beschreibungen werden vom IAB vorgegeben und können nur unter ganz bestimmten Umständen geändert werden. 

Da Stacks dazu dienen, die Kommunikation mit dem Nutzer zu vereinfachen und dadurch Redundanzen zu vermeiden, kann ein Zweck nicht in mehr als einem Stack enthalten sein. Außerdem ist es nicht möglich, einen Zweck sowohl innerhalb als auch außerhalb eines Stacks anzuzeigen.

Kontrollmöglichkeiten für Publisher

Einer der Kritikpunkte am ursprünglichen TCF lautete, dass – wenn ein Anbieter bei seiner GVL-Registrierung eine Rechtsgrundlage angegeben hatte – der Publisher diese unverändert verwenden musste. Hatte der Anbieter Verwendungszwecke angegeben, die der Publisher nicht nutzen wollte, gab es keine Möglichkeit, sie zu umgehen. 

Kontrollmöglichkeiten für Publisher in der CMP von Sourcepoint

Neues

Publisher können von der Standard-Rechtsgrundlage wechseln

Wie vorstehend bereits erörtert, geben Anbieter, die sich mit flexiblen Rechtsgrundlagen registrieren lassen, entweder Einwilligung oder berechtigtes Interesse als Standard an. Mit den neuen Kontrollelementen für Publisher können Sie die für Ihre Nutzer am besten geeignete Rechtsgrundlage für jeden Zweck und Anbieter auswählen. 

Publisher können Regeln für den Zweck aufstellen

Publisher können nun Regeln aufstellen, die es nur bestimmten Anbietern erlauben, Daten für bestimmte Zwecke zu verarbeiten (z. B. dürfen nur Anbieter X und Y Zweck 3 nutzen). 

Nicht vergessen

Sie können nur eine Rechtsgrundlage ändern, die der Anbieter als flexibel deklariert. Wenn der Anbieter keine flexible Rechtsgrundlage angegeben hat, sollten Sie prüfen, ob Sie zu diesem Zweck mit dem Anbieter zusammenarbeiten möchten.

Nutzer können der Verarbeitung von berechtigten Interessen widersprechen

Schließlich können Nutzer jetzt ihr Widerspruchsrecht gegen die Datenverarbeitung auf der Grundlage eines berechtigten Interesses ausüben, und zwar entweder nach Anbieter und/oder Zweck und direkt in der CMP. 

Bisher konnten die Nutzer der Datenverarbeitung auf der Grundlage eines berechtigten Interesses nur widersprechen, indem sie sich direkt an den Verkäufer wandten. In den meisten Fällen war dies für den Nutzer nicht sehr bequem. Diese Änderung ermöglicht es den Nutzern, ihr Widerspruchsrecht mit minimalen Reibungsverlusten auszuüben.

Soweit unser Überblick über die Neuerungen in TCF v2.0. Diese Version des Frameworks dürfte sowohl für den Nutzer als auch für den Publisher deutlich mehr Transparenz und Kontrolle bietet. Wenn Sie Fragen zu Ihrer spezifischen Implementierung haben, nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

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